Freitag, 20. April 2012

Er kann den Regenbogen sehen


Katzen und Hunde prasseln vom Himmel herab.
Er ist groß, braunhaarig. 
Wirkt leicht beschwingt, als er die nasse, matschige Straße hinunter läuft.
An Tagen wie diesen muss er immer um den Block spazieren, seine Gedanken sortieren, 
sonst würde er nicht mehr klar denken können.
Die engen Gassen bedrängen ihn. So wie seine Gedanken.
Frische Luft tut ihm gut. Wie diese, an jenen feuchten Tagen. 
Seine goldenen Kopfhörer spiegeln den Regen wieder. 
Ein Farbtupfer am grauen Spätnachmittag, doch seine Welt schien schwarz und weiß. 
Das Wasser tritt über auf seine Schuhoberfläche, als er durch die Pfützen schlendert.
Nervös beißt er sich auf die Lippe, bis er nach einer Weile Metall schmeckt.

Ein Regenschleier zieht sich über das hohe Haus, was sich nur wenige Meter weiter Straßen aufwärts befindet. 

Von seinem Apartment aus, kann er auf die ganze Stadt hinuntersehen.
Er legt seine Hände an das von Tropfen übersäte Fenster, und stellt sich vor, er könnte fliegen.
Weg von allem, was er sah. Weg von all den verfolgenden Bildern.
Seine Schläfen pochen.
Zitternd setzt er sich an die hölzerne Bettkante und drückt seine Finger gegen seine Ohren.
Er versucht, die Gedanken auszuschalten. Sie sollten still sein. Ganz still.

Er war sein bester Freund. 

Ohne ihn, sei leben nicht wert.
Ohne ihn, wendet sich das einst so lebhafte Gesicht in ein lebloses, verkommenes. 
Er ist bleich. 
Weiß wie Kreide. Er denkt. Versucht zu denken.
Die bunten, farbenfrohen Bilder und Fotos an der Wand erinnern an die schönen Zeiten.
An die hellen Erinnerungen. An die wachen Momente.
Jetzt würde er nur schlafen. In seinen Gedanken versinken. 
Er tritt gegen seinen Rucksack, in dem sich noch eine leere Trinkflasche von ihm befindet. 
Er traut sich nicht, sie anzufassen.
Es sticht in seiner Brust.


Niemals würde er mehr so lächeln können, wie an den Tagen, an die er sich gern erinnert.
Wieso musste es ihn treffen? Warum seinen besten Freund? Warum nicht ihn selbst?

Kein Geräusch in seiner Wohnung. Unangenehme Stille.

Nun ist er weg.
Sein Lächeln ebenfalls. Es würde nie mehr zurück kehren. 
Die Bilder, als sie gegen den Baum fuhren, schleichen sich immer wieder in sein Gedächtnis. 
So sehr er seinen Kopf auch schüttelt, sie lassen nicht los. Sie krallen sich fest.

Er denkt, es ist vorbei.


Durch den regnerischen Spätnachmittag, zeichnet sich am Himmel ein Regenbogen.
Mit feuchten Augen dringt sein Blick verschwommen durch die Scheibe.
Er kneift sie ein wenig zu. 
Seufzt. 
Atmet tief ein, und aus.
Ein kleines Schmunzeln macht sich auf seinen Lippen breit.

Er muss nach vorne blicken, nicht zurück.
Würde er es ohne ihn schaffen?

Ein kleiner Anfang ist gemacht. Er kann den Regenbogen sehen. 

Bilder via Weheartit.












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