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Mit schallendem Rattern näherte sich der Zug dem Bahnsteig.
Gleich würde sie ihn wieder sehen.
Das Bremsen löste ein lautes Quietschen der Schienen aus.
Sie wusste, welch weiten Weg sie auf sich nahm.
Nur, um ihn wieder zu sehen.
Er sagte ihr, das hier sei für immer.
Er versprach es ihr hoch und heilig.
Das mit uns ist für die Ewigkeit.
Mit einem Rosenstraus stand sie da, wartend auf das Öffnen der Türen.
Das grüne Signal zum Einstieg war ein befreiendes Gefühl.
Durch ihn vergaß sie ihre Sucht.
Durch ihn verschwand das große Verlangen.
Das Unaushaltbare wurde erträglich.
Die Fahrt war lang.
Bei dem Blick aus dem Fenster, sah sie in die hohen Bäume.
Sie malte sich die Zukunft aus.
Mit ihm.
Jemand anderes existierte dort für sie nicht.
Dort in der Welt, wo sie sich wohlfühlte.
Wo sie hingehörte.
Sie laß ein Buch, blätterte unendlich lang.
,,Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten?"
Selbst der Service des Zuges schaffte es nicht, sie aus ihrer Traumwelt zu holen.
Es ging immer hin und her, ihre Augen gleichten einem Ping Pong Ball.
Ein Blick auf ihr Buch, ein Blick in die Ferne.
Hin, her. Hin, her.
Das ersehnte Signal ertönte.
Endstation.
Früher als gedacht, kam sie am Bahnhof an.
Doch er war noch nicht da.
Auf eigene Faust machte sie sich auf zu seinem Haus.
Nur zehn Minuten zu Fuß.
,,Das schaffe ich auch alleine."
Ihre Füße brannten.
Wieder mal trug sie viel zu hohe Schuhe, nur um ihm zu gefallen.
Tief in ihrem Herzen lächelte sie für einen kurzen Augenblick.
Niemals sah man ihr Lächeln.
Sie musste es neu lernen.
Sein Zimmer befand sich im Obergeschoss.
Sie klingelte. Einmal. Zweimal. Ein drittes Mal.
Die Tür öffnete sich einen kleinen Spalt.
Seine kleine Schwester.
Wortlos ließ das kleine Mädchen die Tür offen und ging davon.
Sie trat vorsichtig ein.
Lukte durch den Spalt, setzte einen Fuß vor den anderen.
Stille.
Es sollte eine Überraschung sein.
Leise Schritte, niemand sollte sie vorher bemerken.
Sein Zimmer.
Imaginärer Coutdown. Drei, zwei, eins.
Tür auf.
Was sie dort sah, verschlug ihr den Atem.
Er, sein Bett, das, was sie brauchte.
Neben ihm diese Fremde.
Entgeisterter Gesichtsausdruck ihrerseits.
Sein Mund stand offen, er brachte keinen Ton heraus.
,,Warte!"
Er versuchte sie aufzuhalten, sie schmiss den Straus auf den Boden.
Die Blüten lagen verteilt auf der Treppe.
Sie rannte heraus, wo sie gerade eben erst reinkam.
Knallte die Tür hinter sich zu, das war's.
Die Rückfahrt nahm sie in Zeitlupe wahr.
Die Bäume verschwammen vor ihren tränen gefüllten Augen.
Kein Blatt des Buches blieb trocken.
,,Wir beide, nur wir beide für immer."
Der Satz verschwand nicht aus ihrem Gedächtnis.
Er hatte sich förmlich eingebrannt.
Wieder ertönte das Signal.
Endstation.
Sie suchte die Bahnhofstoilette auf.
Das Unaushaltbare siegte in dem Kampf gegen ihre Vernunft.
Sie tat es.
Sie setzte die Spritze an, sekte den Kopf.
Ein Zettel glitt aus ihrer Tasche auf den Boden.
Ich dachte, es sei für immer.

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